Die Bürgerversammlung zum Thema Klimaschutz fand am 06.11.24 im Kasseler Rathaus statt und das Interesse daran war offensichtlich groß: Im Bürgersaal des Rathauses waren alle Plätze besetzt; viele Menschen mussten wären der Redebeiträge sogar stehen. Die Stadt spricht auf Ihrer Webseite von ca. 500 Interessierten.
Die Veranstaltung startete mit einer Einführung des Moderators David Zabel, der auch Vorsitzender des Kulturbeirats der Stadt Kassel ist, und ging weiter mit einer Rede des Oberbürgermeisters. Später kam „Wetterfrosch“ Thomas Ranft zu Wort. Er erklärte den Klimawandel einfach und für alle zugänglich. Sein Vortrag zielte jedoch vor allem darauf ab, dass die eigenen Entscheidungen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Klimawandels haben – während er gleichzeitig betonte, wie gerne er CO₂ verbrennt und Auto fährt. Die Verantwortung der Wirtschaft und der Politik in diesem Bereich kam viel zu kurz. Im Anschluss sollte in einem Interview mit dem Magistrat (Klima-Dezernentin Simone Fedderke) und Klimaschutzrat (Vorsitzender Prof. Martin Hein) Klarheit über deren Zusammenarbeit geschaffen werden. Bevor das aber wirklich passieren konnte, war die Zeit aufgrund vorheriger Verspätung schon abgelaufen.
Danach ging es weiter in thematische Arbeitsgruppen, welche die Neue Denkerei vorbereitet hatte. Parallel dazu konnten sich Besucher:innen an Ständen zu verschiedenen Themen informieren. Alle Themenbereiche wurden jeweils zu zwei Zeiten angeboten. In den sehr gut gefüllten Räumen konnte man sich informieren und diskutieren zu den Themen Mobilität, Kommunikation; Bildung und Beteiligung, Quartiere und Gebäude, Biodiversität; Ernährung und Beteiligung, Industrie und Gewerbe, Energieversorgung und Konsum und Abfall. Es ging um Notwendigkeiten und die Maßnahmen der Stadt Kassel im jeweiligen Bereich. Die Runden waren jedoch recht kurz und beschränkten sich zumeist auf Grundsatzdiskussionen, wie zum Beispiel Fahrradstellplätze vs. Auto-Parkplatz. Welche Maßnahmen der Klimaschutzrat in welchem Bereich vorgeschlagen hat und was davon tatsächlich bisher umgesetzt wurde, wurde leider nicht klar. Vielleicht war das auch nicht beabsichtigt, da es zu zahlreichen Vorschlägen der Klima-Expert:innen noch gar keine politischen Beschlüsse gibt und nur sehr wenige bisher realisiert wurden – trotz eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung, dass Kassel bis 2030 klimaneutral werden soll.
Zu den Teilnehmer:innen lässt sich noch sagen, dass der Altersdurchschnitt der anwesenden Menschen wahrscheinlich über 50 Jahren lag. Junge Menschen waren kaum zu sehen. Dafür viele bekannte Gesichter aus der Stadtpolitik und Verwaltung. Junge Menschen hätten im Vorfeld besser angesprochen und während der Veranstaltung mehr ermutigt werden sollen, ihre Bedenken und Wünsche zu äußern. Denn die junge Generation sind die Menschen, die mit den Konsequenzen der heutigen Entscheidungen leben müssen. Die Stadt sollte die gesamte Bevölkerung beteiligen – nicht nur bestimmte Gruppen. Dabei müssen die Wünsche und Bedenken der Menschen ernst genommen werden und die Ergebnisse solcher Beteiligungsprozesse entschlossen umgesetzt werden.
Insgesamt war die Bürgerversammlung eine gute Idee, jedoch muss an einigen Dingen gearbeitet werden. Die Anwesenden müssen mehr Gesellschaftsgruppen abbilden, es muss mehr Raum für Diskussion und konkrete Forderungen geben und an Schulen sowie der Universität stärker für die Teilnahme geworben werden.

