Henschel-Areal – Kultur sichern und bezahlbare Räume erhalten zur Überweisung in den Ausschuss für Kultur

1. Dauerhafte Sicherung von Kultur, Subkultur und kreativer Produktion
Der Magistrat wird beauftragt, sich bei der weiteren Entwicklung des Henschel-Areals verbindlich dafür einzusetzen, dass die dort gewachsenen Strukturen aus Kunst, Kultur, Subkultur, Handwerk und kreativer Produktion dauerhaft erhalten und weiterentwickelt werden.
Dabei soll insbesondere sichergestellt werden, dass:
• die bestehenden Ateliers, Werkstätten, Proberäume, Veranstaltungs- und Produktionsräume für Kulturschaffende dauerhaft erhalten bleiben,
• eine ausreichende Anzahl von Räumen auch künftig ausdrücklich für kulturelle und kreative Nutzungen vorgesehen wird,
• die derzeit auf dem Areal tätigen Kulturschaffenden bei der weiteren Entwicklung des Geländes nicht verdrängt und in die Weiterentwicklung und Erschließung neuer Räume einbezogen werden,
• die gewachsenen kulturellen und subkulturellen Strukturen als eigenständiger Bestandteil anerkannt und einbezogen werden.

2. Bezahlbare Mieten für Kulturschaffende verbindlich festschreiben
Der Magistrat wird beauftragt, darauf hinzuwirken, dass für die kulturell und kreativ genutzten Flächen auf dem Henschel-Areal dauerhaft bezahlbare und für Kulturschaffende tragfähige Mietkonditionen gesichert werden.
Dabei soll insbesondere eine verbindliche Regelung erreicht werden, nach der:
• Mietsteigerungen für Kultur- und Kreativflächen begrenzt werden,
• die Mieten nicht auf ein Niveau angehoben werden dürfen, dass die Nutzung durch freischaffende Künstlerinnen und Künstler, Kulturinitiativen, Vereine und handwerklich-kreative Betriebe faktisch unmöglich macht,
• Betriebskostensteigerungen nachvollziehbar und transparent offengelegt werden,
• Instandhaltungs- und Renovierungspflichten nicht einseitig auf Kulturschaffende abgewälzt werden, wenn diese aus dem baulichen Zustand des Gebäudes resultieren,
• bei der Festlegung zukünftiger Mietkonditionen die besonderen wirtschaftlichen Bedingungen von Kulturschaffenden berücksichtigt werden.
Der Magistrat wird aufgefordert, hierfür mit der Eigentümerseite und den auf dem Areal tätigen Kulturschaffenden eine verbindliche Vereinbarung zur langfristigen Sicherung bezahlbarer Kulturflächen auszuhandeln.

3. Beteiligung der Kulturschaffenden sicherstellen
Bei allen weiteren Planungen zur Entwicklung des Henschel-Areals sind die dort ansässigen Kulturschaffenden und ihre Interessenvertretungen verbindlich und frühzeitig zu beteiligen.
Der Magistrat wird insbesondere aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass das Netzwerk Hammerschmiede e. V. sowie weitere auf dem Areal tätige Kulturinitiativen in die Entwicklung eines dauerhaften Nutzungskonzeptes für Kultur, Subkultur und kreative Produktion substanziell einbezogen werden.
Die Stadtverordnetenversammlung bekennt sich damit zu dem Ziel, das Henschel-Areal zu einem offenen, vielfältigen und sozial sowie kulturell gemischten Stadtquartier zu entwickeln.

Begründung
Das Henschel-Areal ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Ort für Kunst, Kultur, Handwerk und subkulturelles Leben in Kassel. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende, Vereine und kreative Betriebe haben dort Räume gefunden, die es in dieser Form an anderen Orten der Stadt kaum gibt.
Diese gewachsenen Strukturen sind ein bedeutender Bestandteil der kulturellen Infrastruktur Kassels. Sie können nicht ohne Weiteres durch neu geschaffene Kulturangebote an anderer Stelle ersetzt werden. Kultur braucht nicht nur Veranstaltungsräume, sondern insbesondere bezahlbare Räume für Produktion, Proben, Werkstätten, Ateliers und alltägliches Arbeiten.
Die aktuelle Entwicklung auf dem Henschel-Areal gibt deshalb Anlass zu großer Sorge. Nach Angaben des Netzwerks Hammerschmiede wurden den dort tätigen Kulturschaffenden Mieterhöhungen von bis zu 250 Prozent angekündigt. Gleichzeitig weisen zahlreiche Räume weiterhin erhebliche bauliche und infrastrukturelle Defizite auf. Für Künstlerinnen und Künstler, die ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit verdienen, können solche Kostensteigerungen existenzbedrohend sein.
Die Verdrängung von Kultur beginnt dabei nicht erst mit einer Kündigung. Sie beginnt bereits dann, wenn die Miete so stark steigt, dass Kulturschaffende ihre Räume wirtschaftlich nicht mehr halten können. Das Beispiel des Skateboardvereins Mr. Wilson zeigt, dass diese Entwicklung bereits konkrete Folgen hat.
Ein Bekenntnis zur Kultur reicht deshalb nicht aus. Wenn die Stadt Kassel das Henschel-Areal als Bestandteil einer lebendigen Kulturstadt entwickeln will, müssen bezahlbare Räume und die bestehenden kulturellen Strukturen verbindlich gesichert werden.
Die Stadt Kassel verfügt zudem über eigene kulturpolitische Zielsetzungen zum Erhalt kultureller Produktionsorte und zur Sicherung bezahlbarer Ateliers, Werkstätten und Proberäume. Diese Ziele müssen auch bei der Entwicklung des Henschel-Areals praktisch umgesetzt werden.