Kinderarmut bleibt auch in Kassel ein großes Problem – aktuelle UNICEF-Studie verdeutlicht Benachteiligung ärmerer Familien

Eine neue Studie des Kinderhilfswerks UNICEF zeigt: Kinderarmut bleibt auch in Deutschland ein massives Problem – mit gravierenden Folgen für Bildungschancen, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Die Ergebnisse der Studie sind auch für Kassel relevant, wo immer mehr junge Menschen von Armut betroffen sind. Deutschland erreicht beim Kindeswohl nur Platz 25 von 37 wohlhabenden Ländern. Besonders alarmierend ist das schlechte Abschneiden im Bildungsbereich: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen die Mindeststandards in Lesen und Mathematik. Bei Jugendlichen aus finanziell benachteiligten Familien sind es sogar nur 46 %.

Jule Heike Michel, Sozialpolitikerin in der Kasseler Linksfraktion, erklärt dazu: „Dass es im reichen Deutschland Kinderarmut gibt, ist ein Skandal! Die UNICEF-Zahlen machen deutlich: Wer in Armut aufwächst, hat schlechtere Bildungschancen und wird im Alltag häufiger ausgeschlossen. Das ist auch in Kassel trauriger Alltag. Der internationale Vergleich führt unmissverständlich vor Augen, dass diese Entwicklung nicht schicksalhaft, sondern Folge von haushaltspolitischen Entscheidungen ist. Deshalb müssen wir dem aktuellen Kahlschlag im Sozialsystem mit aller Macht entgegentreten – auch vor Ort in Kassel.“

Die Studie macht auch deutlich, dass soziale Ungleichheit direkte Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit von Kindern hat. Während 79 Prozent der Kinder aus wohlhabenden Familien laut UNICEF in sehr guter gesundheitlicher Verfassung sind, trifft das bei Kindern aus armen Familien nur auf 58 Prozent zu.
Die aktuellen UNICEF-Zahlen sind aus Sicht der Linksfraktion ein klarer Auftrag an die Politik, Kinder und Jugendliche endlich stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Dafür braucht es auch auf kommunaler Ebene deutlich stärkere Investitionen in Bildung, Gesundheitsprävention, Betreuung und soziale Infrastruktur.

„Es muss endlich Schluss sein mit dem Flickenteppich fehlender Ganztagsangebote. Kein Kind sollte hungrig und allein mittags auf der Straße stehen, nur weil die Eltern in Vollzeit schuften müssen, um über die Runden zu kommen. Wir brauchen einen konsequenten Ausbau der Gesamtschulen, viel mehr kostenfreie Ganztagsangebote sowie gute und gebührenfreie Kinderbetreuung für alle Familien. Kein Kind darf aufgrund des Geldbeutels der Eltern benachteiligt werden!“, fordert Bildungspolitiker Lutz Getzschmann 

Die Linke fordert außerdem mehr kostenfreie Freizeit-, Kultur- und Sportangebote in allen Stadtteilen. Familien mit geringem Einkommen können sich Vereinsbeiträge, teuren Musikunterricht oder andere Freizeitaktivitäten oft nicht leisten. Darüber hinaus spricht sich die Linksfraktion für wohnortnahe Gesundheits- und Beratungsangebote in den Stadtteilen aus:
„Gesundheitsberatung muss dort stattfinden, wo die Menschen leben. Niedrigschwellige und gut vernetzte Angebote in den Schulen und Quartieren können Familien frühzeitig unterstützen und helfen, gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen“, meint die Hebamme und Sozialarbeiterin Jule Michel. „Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft – auch deshalb setzen wir uns konsequent für Chancenausgleich, gute Präventions- und Gesundheitsdienste sowie für eine solide Kinder- und Familiengrundsicherung ein!“

Link zur aktuellen UNICEF-Studie: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/unicef-studie-kindeswohl-2026/397376

Bild von Jeevan Singla auf Pixabay