„Mit den Medizinstudiengängen an staatlichen Hochschulen zu kooperieren und so auch einen Beitrag für gut ausgebildete Mediziner als Nachwuchs für das Klinikum Kassel zu leisten, trifft auf die Zustimmung der Kasseler Linke, „ so der Stadtverordnete Axel Selbert “Bildung als risikoreichen Geschäftszweig mit Studiengebühren am Klinikum etablieren zu wollen, darf kein Modell für das kommunale Gesundheitswesen werden.“
Die Gesundheit Nordhessen Holding AG will in Kooperation mit einer Universität in Southampton/England die Einrichtung einer „Kassel School of Medicine (KMS)“ aufbauen. Dieser durch den Aufsichtrat bereits abgelehnte Plan wird jedoch von Dr. Sontheimer und einigen Ärzten weiterhin propagiert. 24 Studenten der Universität Southampton sollen am Klinikum Kassel als Lehrkrankenhaus ihre praktische Ausbildung durchlaufen. Dafür würden Studienbeiträge von jährlich 12.000 € pro Person erhoben. (Laut Website der Universität 11.800 bis 26.700 €, abhängig von den gewählten Kursen.) Für die ersten 5 Jahre der Anlaufphase sei mit einem Zuschussbedarf von bis zu 4 Mio. Euro zu rechnen.
Der Versuch sich im Bildungsmarkt zu profilieren und damit auch noch Geld verdienen zu wollen, war in Kassel schon einmal 1999 mit der Privatuni KIMS gestartet worden. Am Ende des grandios gescheiterten Versuchs unter der Führung der Industrie- und Handelskammer Kassel und einiger weniger Unternehmen wurden die Reste der KIMS der staatlichen Uni Kassel aufgedrückt.
Die vermeintlich schlitzohrige Geschäftsidee die auszubildenden Ärzte als billige Arbeitskräfte einzusetzen, die einen großen Teil ihrer Bezahlung in Form von Studiengebühren selber vornehmen, stellt das deutsche Bildungssystem auf den Kopf. Ob es denn überhaupt aufgehen kann, aus England, einem Zielland für Arbeitsmigranten mit deutschem Medizinabschluss, junge Leute zur Ausbildung nach Kassel zu locken, erscheint mehr als ungewiss.
Eine praxisorientierte Ausbildung auch von Ärzten an dem Klinikum Kassel kann in Kooperation mit den staatlichen Hochschulen mit Medizinstudiengang wie in Göttingen, Marburg oder Magdeburg erfolgen.
Um die Arbeitsplätze für Ärzte in Deutschland attraktiver zu gestalten, gilt es die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das ergaben überregionale Befragungen, die sich mit der hohen Abwanderung deutscher Medizinabsolventen und Schwierigkeiten Arztstellen in Deutschland zu besetzen befasst haben. Dem Aufsichtsrat und dem Management des Kasseler Klinikums ist zu raten, sich um ein besseres Arbeits- und Kommunikationsklima im Klinikum zu kümmern statt in Geschäfte mit privatisierter Medizinerausbildung einzusteigen.

