Die Kasseler Linksfraktion zeigt sich betroffen über einen Vorfall in der Evangelischen Kita Wehlheiden, bei dem ein fünfjähriges Kind mit Autismus unbemerkt die Einrichtung verlassen konnte und kurze Zeit später glücklicherweise in einem Drogeriemarkt wiedergefunden wurde. Für die betroffene Familie sicherlich ein großer Schrecken.
„Jedes Kind hat das Recht auf eine sichere und liebevolle Betreuung. Wenn ein Kind mit besonderem Bedarf trotz 1:1-Betreuung unbeaufsichtigt die Einrichtung verlassen kann, ist das ein deutliches Warnsignal“, erklärt Stephanie Schury, Mitglied im Jugendhilfeausschuss für die Kasseler Linksfraktion.
Gleichzeitig warnt die Linksfraktion davor, die Verantwortung allein bei den zuständigen Beschäftigten zu suchen. Der Vorfall mache deutlich, was Erzieher*innen, Eltern und Integrationskräfte seit Jahren berichten: In vielen Kasseler Kitas herrscht massiver Personalmangel!
„Personalmangel und unzureichende Finanzierung erschweren es erheblich, Kinder mit besonderem Förderbedarf angemessen zu begleiten und den gesetzlichen Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe umzusetzen“, betont Schury. Auch aus anderen Einrichtungen seien der Linksfraktion ähnliche Beinahe-Vorfälle bekannt. Integrationshelfer*innen sind häufig für mehrere Kinder zuständig. Nicht selten werden sie eingesetzt, um kurzfristige Personallücken zu schließen. Dabei bleibt individuelle Betreuung auf der Strecke.
Das gesetzlich verankerte Recht auf Inklusion dürfe kein Lippenbekenntnis bleiben, unterstreicht auch Stadträtin und Kindertherapeutin Ingrid Häußer-Domes. Kinder mit Autismus benötigen im besonderen Maße verlässliche Bezugspersonen, ruhige Rückzugsräume und eine engmaschige Begleitung im Alltag – all das setzt ausreichend und gut geschultes Personal voraus.
Die Linksfraktion fordert deshalb mehr und besser ausgestattete Stellen für Erzieher*innen und Integrationskräfte, verbindliche Qualitätsstandards, damit zusätzliche Stunden tatsächlich bei den Integrationskindern ankommen, sowie mehr Fortbildungen zur weiteren Sensibilisierung für besonderen Betreuungs- und Förderbedarf. Auch verbesserte bauliche und organisatorische Standards könnten dazu beitragen, gefährliche Situationen wie das unbemerkte Entwischen eines Kindes zu verhindern. Entscheidend sei allerdings eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung aller Kitas.
„Inklusion gelingt nur, wenn sie ernsthaft gewollt und entsprechend finanziert wird“, so Häußer-Domes abschließend. „Bund, Land und die Stadt Kassel müssen hier dringend nachsteuern!“
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